Pressestimmen 2005

Scheuklappen und Schulterklopfen
 
Unter dem Leitmotiv Krieg und Frieden fand gestern in Deutschland der 13. Tag des offenen Denkmals statt. "Welche andere Stadt als Dresden wäre besser geeignet, uns die Bedeutung dieser beiden Worte vor Augen zu führen?", fragte Christina Weiss am Morgen auf der zentrale Eröffnungsfeier auf der Brühlschen Terrasse in Dresden. Vor allem die Frauenkirche stünde dafür als Symbol für völkerverbindende Freundschaft.
Sehr diplomatisch und doch sehr deutlich wies allerdings Gottfried Kiesow, Vorstandsvorsitzender der den Tag des offenen Denkmals veranstaltenden Deutschen Stiftung Denkmalschutz darauf hin, dass nicht die Frauenkirche Grund gewesen sei, in Dresden die Feierlichkeiten zu begehen. Er nannte vielmehr den Wiederaufbau des Zwingers und des Schlosses als Zeichen für "Krieg und Frieden" und nannte die Ausstellung "Zeitschichten", die noch bis 13. November im Dresdner Schloss die aktuelle Diskussion um die Denkmalpflege aufzeigt.
   Kiesow ... forderte vom Bund einen Haushaltsposten für Welterbestätten. Die Städte seien so klamm, dass sie ihre Schätze allein gar nicht retten, geschweige denn unterhalten könnten. ...

Christina Weiss hingegen riss die Scheuklappen herunter, verwies auf die "European Heritage Days", die seit 1991 stattfinden, die auf den französischen Tag des offenen Denkmals von 1984 zurückgehen und denen sich Deutschland 1993 anschloss. Sie sprach von den Denkmälern als "beredsamste Zeugen unserer gemeinsamen kulturellen Wurzeln als Europäer" und zeigte an prägnanten Beispielen, wie wenig Kunstformen an Landesgrenzen Halt machen.
Die Menschen hörten´s - und strömten in die Denkmäler. 4,5 Millionen sollen es deutschlandweit gewesen sein, 80.000 in Dresden, 15.000 in Görlitz, meldet die Stiftung Denkmalschutz am Abend.

(12.9.2005, Sächsische Zeitung, Dresden)

Tausende wollten Baudenkmale sehen
 
Heftige Regenschauer hielten Tausende von Besuchern gestern nicht davon ab, in der Region zwischen Harz und Heide rund 50 selten zugängliche Baudenkmale zu besuchen. Anlass war der Tag des offenen Denkmals. ...
Rund 7000 Bauwerke, Parks und Friedhöfe an 2500 Orten, in ganz Deutschland waren bis zum Abend zugänglich.
Besucher-Magneten in Braunschweig waren unter anderen die Gedenkstätte KZ-Außenlager Schillstraße und der Bunker Kralenriede.
In Salzgitter war der Luftschutzbunker Heerte Anziehungspunkt. Der Hochbunker war gestern erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden. Mehrere hundert Besucher nutzten die Chance, das Gebäude zu besichtigen.
Anziehungspunkt in Wolfenbüttel war das Sternhaus. Dort war im Zweiten Weltkrieg ein Lazarett für Kriegsgefangene eingerichtet worden.
Im Kreis Peinelockte die Gemeinde Plockhorst, die sich gewissermaßen als Gesamt-Denkmal zeigte. Hunderte von Besuchern kamen auch nach Wedtlenstedt, um die Schleuse zu besichtigen.
   Gleichzeitig wurde dort das 100-jährige Bestehen des Mittellandkanals gefeiert.
Die archäologische Ausgrabung eines mittelalterlichen Dorfes lockte nicht wenige Besucher nach Süpplingen im Kreis Helmstedt. Im Kreis Gifhorn fand unter anderem das Hospital St. Gebhard in Schwülper das Interesse der Besucher. Das ehemalige Tanklager der nationalsozialistischen Luftwaffe war es in Ehmen (Wolfsburg).
Rund 4,4 Millionen Menschen waren es bundesweit, die den Tag des offenen Denkmals für ungewohnte Einblicke nutzten. Bei teils regnerischen Wetter kamen damit mehr Besucher als je zuvor, teilte die Deutsche Stiftung Denkmalschutz in Bonn mit.

(12.9.2005, Braunschweiger Zeitung, Braunschweig)

Frieden ist schon lange eingezogen
 
"Denkmalschutz live" wollte eine große Zahl Interessierter hautnah erleben. Gelegenheit dazu gab am Sonntag bei den erstmals von der Stadt Müllheim gemeinsam mit dem erst vor kurzem gegründeten Ortskuratorium der Deutschen Stiftung Denkmalschutz organisierten Aktionen zum "Tag des offenen Denkmals" ...
"Ich hätten nie gedacht, dass sich so viele Leute für Denkmalschutz interessieren", rief eine Bewohnerin der Schillerstraße 8 aus, als sie beim Verlassen ihres Wohnhauses auf eine größere Menschenansammlung traf, die die ehemalige, zur Infanterie-Kaserne gehörende Offiziers- und Unteroffiziersunterkunft in Augenschein nehmen wollten. ...
Der Bau des Kasernenareals im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts war für Müllheim von großer Bedeutung. Die Kasernengebäude prägten nicht nur das Stadtbild, sondern brachten gleichzeitig eine Verdoppelung der Siedlungsfläche, eine beträchtliche Zunahme der Einwohner sowie die Kanalisierung und Elektrifizierung mit sich. ...
   Nach dem ersten Weltkrieg ... erfolgte zu Beginn der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts die zivile Umnutzung der Gebäude. ... Zeugen die erhaltenen, zum Teil mühsam zurückgebauten Fassaden der Gebäude noch von ihrer geschichtsträchtigen Vergangenheit, sind die Innenräume wieder mit Leben gefüllt. Und so befinden sich heute Schulen, Kindergärten, Wohnungen und Verwaltungen, wo früher exerziert, Soldaten und Offiziere untergebracht oder verköstigt wurden. Gerade aus dem Gegensatz von militärischen Bauten und ziviler Nutzung, von alter Substanz und neuen Bedürfnissen, kann das Bewusstsein für eine friedliche Gegenwart wachsen. ...

(13.9.2005, Badische Zeitung)

"Gut, dass hier was passiert"
 
Tausende Geschichtsinteressierte nutzten gestern die Angebote zum "Tag des offenen Denkmals". Im Landkreis waren Baustellenführungen auf Schloss Stolberg einer der Höhepunkte. ...
"Ich kenne das Schloss noch aus der Zeit, als es ein Ferienheim war. 1948 war ich als Neunjährige mit meinen Eltern hier", sagte Rita Kroggel aus Halle. Bereits zu DDR-Zeiten heruntergekommen, sah es nach der Wende so aus, als wäre das Haus endgültig dem Verfall preisgegeben. 1993 an einen Investor aus Hessen verkauft, begannen Sanierungsarbeiten, die nie beendet wurden. Zum Teil stand das Dach offen, was dem historischen Gemäuern den Rest gab. Nachdem im Jahr 2001 die Deutsche Stiftung Denkmalschutz das Schloss übernahm, geht es wieder aufwärts: Mittlerweile ist das Dach saniert, der starke Schwammbefall bekämpft, berichtet Claudia Hennrich, die Geschäftsführerin des Deutschen Fachwerkzentrums Quedlinburg, das maßgeblich an Erforschung und Sanierung des Hauses beteiligt ist.
   Gemeinsam mit Daniel Naumann und Claudia Rüdiger führt sie insgesamt etwa 2.000 Besucher an diesem Wochenende durch das Gebäude. ...
Die meisten Besucher sind nach der gut halbstündigen Führung beeindruckt: "Es ist gut, dass hier was passiert", denkt einer laut. "Man kann doch nicht ein Haus, das seit 500 bis 600 Jahren steht, in nur 50 völlig kaputt machen. Ich glaube, wir sind es auch den folgenden Generationen schuldig, das Schloss zu erhalten." ...

(12.9.2005, Mitteldeutsche Zeitung, Halle)

Historischen Stätten frequentiert
 
Am "Tag des offenen Denkmals" wurde mit 4,4 Millionen Besuchern ein neuer Rekord aufgestellt. Kulturstaatsministerin Christina Weiss (parteilos) hob bei der zentralen Eröffnungsveranstaltung in Dresden die Rolle der Denkmalpflege für die Bewahrung von Zeugnissen der europäischen Geschichte hervor. ...
Gottfried Kiesow [Vorsitzende der Deutschen Stiftung Denkmalschutz] bat den Bund um besondere Förderung der 30 UNESCO-Weltkulturerbestätten in der Bundesrepublik. "In der nächsten Legislaturperiode muss es gelingen, einen Titel Weltkulturerbe im Bundeshaushalt einzustellen." Kommunen und Länder seien damit überfordert. Die Stiftung, die rund 150.000 Dauerspender habe, förderte seit 1991 Erhaltung, Sanierung und Rekonstruktion von Denkmälern bundesweit mit rund 350 Millionen Euro.
   Die European Heritage Days, seit 1991 mittlerweile in 48 Ländern gefeiert, seien eine der erfolgreichsten Initiativen des Europarates.
In Hessen wurde der Denkmaltag auf der Starkenburg bei Heppenheim eröffnet. Historische Bauten, Parks und archäologische Fundstätten haben am Sonntag einige zehntausend Besucher in ganz Hessen angezogen. Unter dem Motto "Krieg und Frieden" standen im 60. Jahr nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges mehr als 500 historische Stätten für Besucher offen, darunter viele normalerweise unzugängliche Orte. ...

(12.9.2005, Gießener Allgemeine)

Minister Goppel: Denkmalpflege lohnt sich
 
"Durch die Zeugnisse von gestern verlieren die Visionen von morgen an Schrecken, denn die Menschen wissen, dass es wirklich so war." Bayerns Kultur- und Wirtschaftsminister Thomas Goppel hob gestern bei der zentralen bayerischen Eröffnungsveranstaltung des "Tages des offenen Denkmals" in Regensburg die Bedeutung des Denkmalschutzes und des Denkmaltages hervor. Zahlreiche sonst nicht zugängliche Monumente öffneten gestern ihre Türen für Neugierige zum Motto "Krieg und Frieden".
Goppel nannte die europaweite Aktion einen notwendigen "Sensibilisierungsimpuls". ...
Breite Schichten der Bevölkerung für die mehr als 120.000 Baudenkmäler zu begeistern, ist für Bayerns Generalkonservator Professor Egon Johannes Greipl das Hauptanliegen des Denkmaltages.
   "Wenn wir es nicht schaffen, dass die jungen Menschen das Erbe schätzen, dann wäre unser Engagement umsonst", sagte Bayerns oberste Denkmalpfleger. Greipl prognostizierte für den gestrigen Tag im Vergleich zu den Vorjahren ein leicht steigendes Besucheraufkommen. Er plädierte für einen lebendigen Denkmalschutz. "Dieser Prozess findet nicht unter einer Käseglocke statt, Denkmäler leben, indem sie sich ständig verändern." ...

(12.9.2005, Mittelbayerische Zeitung, Regensburg)

Besucher stürmten rotes Schloss
 
Der gestrige Tag des offenen Denkmals war erneut ein Renner: Die geöffneten Denkmäler der Stadt von der Bergmühle bis zur Nikolai-Kirche glichen wieder kleinen Wallfahrtsstätten.
Mit Abstand der größte Publikumsmagnet war aber die Marineschule Mürwik. Zu dem "Roten Schloss am Meer" pilgerten ganze Besucher-Scharen schon nach der Öffnung um 9 Uhr. Und nachdem die "Alexandra" ab 10 Uhr den Pendelverkehr von der Schiffbrücke zur Schule aufgenommen hatte, wurde es auf dem weitläufigen Schulgelände richtig eng.
   Weit über 200 Besucher warteten beispielsweise gegen 10.45 Uhr vor dem Hauptportal, um bei der ersten Führung dabei zu sein.
So kam es denn schon fast einer Untertreibung gleich, als Oberbürgermeister Klaus Tscheuschner bei der zentralen Eröffnungsveranstaltung des Denkmaltages in der Aula der Marineschule von einer wachsenden Popularität des Tages sprach. ...

(12.9.2005, Flensborg Avis)

Ehrenamt im Denkmaltag
  
Denkmalschutz ist keine nostalgische Schwärmerei, sondern will sich als Brücke verstanden wissen zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Kluge Worte, mit denen Kultusstaatssekretär Walter Bauer-Wabnegg in Erfurt den Thüringer Denkmaltag eröffnete.
Nun weiß auch der Laie, dass Brückenbau kostspielig ist. Erst recht im Denkmalschutz und in einem Land, das für über 30.000 steinerne Zeugen der Vergangenheit zu sorgen hat. Seit 1991 flossen rund 500 Millionen Euro Fördermittel in die Erhaltung dieses kulturellen Erbes.
   2005 ganze 14 Millionen - ein Tropfen auf dem heißen Stein. Vor diesem Hintergrund kann das "Ehrenamt im Denkmal" nicht genug gewürdigt werden. Die zahlreichen Vereine zum Beispiel in Schwarzburg, Knau oder Sparnberg, die Verantwortung für ihre Geschichte übernehmen. Ohne nostalgische Schwärmerei, aber mit viel ehrenamtlichen Engagement. Das ist die eigentlichen Botschaft zum Denkmaltag.

(12.9.2005, Ostthüringer Zeitung)

Speicherstadt verlangt gute Kondition
 
Wer die Speicherstadt am bundesweiten Tag des offenen Denkmals kennen lernen wollte, brauchte vor allem eines: Kondition.
Viele waren am Sonntag verblüfft, wie groß das Coerder Areal ist und welche Strecken allein schon abzulaufen sind, um nur die interessantesten Bereiche zu sehen. Und derer gibt es viele in der Speicherstadt, die sich im Laufe der vergangenen 67 Jahre von einer Verpflegungseinrichtung der Wehrmacht zum denkmalgeschützten Vorzeigeobjekt der Westfälisch-Lippischen Vermögensverwaltungsgesellschaft (WVL) entwickelt hat. Darin lag aber auch der Reiz der Entdeckungstour: Bestaunte der Besucher gerade noch eine angerostete Getreidereinigungsanlage aus den späten 30er Jahren, so erwarteten ihn ein paar Türen weiter modernste Computerarbeitsplätze. ...
Doch es waren nicht nur die Besucher, die oftmals staunten, sondern ebenso die Gastgeber, die die umfunktionierten Speicher vorstellten. Hannes Lambacher vom dort beheimateten Stadtarchiv hatte mit so einem Andrang nicht gerechnet: "Ich könnte heute gut Unterstützung gebrauchen."
   Bis zu 70 Personen standen bei seinen Führungen zwischen den Regalen, um Näheres über historische Dokumente und Urkunden zu erfahren.
Zufriedene Gesichter gab es am Sonntag auch im Kinderhaus. Auf mannigfaltige Art präsentierten dort die Bürgervereinigung Kinderhaus und die Gesellschaft für Leprakunde ihr Denkmal, das Leprosenhaus.
... Die Bürgervereinigung lud am Sonntag im Heimatmuseum zum Kaffee und Kuchen ein, zeigte altes Schumacher- und Spinnhandwerk sowie zeitgenössische Bilder des Künstlers Wolfgang Berndt. Und besonders stolz war der Vorstand der Bürgervereinigung darauf, pünktlich zum Tag des offenen Denkmals eine Plakette der Deutschen Stiftung Denkmalschutz anbringen zu können, die die jüngste Renovierung des Leprosenhauses mitunterstützte.

(13.9.2005, Westfälische Nachrichten, Münster)