Thema am 14. September 2003:

Geschichte hautnah: Wohnen im Baudenkmal

Geschichte hautnah: Wohnen im Baudenkmal
Die Behausung als „dritte Haut des Menschen” soll mit dem Thema „Geschichte hautnah: Wohnen im Baudenkmal” in diesem Jahr am Denkmaltag im Mittelpunkt stehen. Das Thema umfasst einerseits die heutige Nutzung historischer Bauten zu Wohnzwecken, andererseits können auch geschichtliche Aspekte der Wohnkultur durch die Jahrhunderte hindurch beleuchtet werden. Auch diesmal handelt es sich um ein Schwerpunktthema, das sehr weit gefasst werden kann. Wir freuen uns, wenn Sie das Thema bei Ihren Vorbereitungen berücksichtigen.

Wohnen im Baudenkmal
Wohnen im Baudenkmal - dabei denkt man zunächst einmal an den Altbau aus der Gründerzeit. Aber auch Bauernkaten, Villen, Siedlungen bis hin zu modernen Wohntürmen der siebziger Jahre, sie alle dienen noch heute Wohnzwecken. Darüber hinaus wohnen Menschen mitunter auch in historischen Gebäuden, die ursprünglich andere Funktionen hatten und in der Gegenwart zu Wohnzwecken umgestaltet wurden, wie etwa Fabriken oder Bahnhöfe. Ein wichtiger Ansatzpunkt ist also die Frage nach der heutigen Nutzung historischer Bauten.

Am Denkmaltag könnten etwa folgende Themen im Mittelpunkt stehen:

  • Wohnen in historischen Gemäuern: Wie lässt es sich heute in einem in vergangenen Zeiten erbauten Haus wohnen?
  • Alt und Neu: Was bringen moderne Anforderungen, wie zum Beispiel heutiger Wohnkomfort, mit sich, und wie lassen sie sich - denkmalverträglich - heutigen Ansprüchen anpassen?
  • Aufklärung über Gefahren und Chancen: Welche Gefahren (Stichwort „Entkernung” oder „Übernutzung”) kann eine Umnutzung für ein Bauwerk mit sich bringen, aber auch welche Chancen und Vorteile?

Geschichte des Wohnens

Wie kaum ein anderes Thema hat man die Geschichte des Wohnens anschaulich und interdisziplinär untersucht. So lässt sich auch am Denkmaltag die Geschichte des Wohnens beispielsweise unter architektonischen, städtebaulichen, geschichtlichen, politischen, ökonomischen und soziologischen Aspekten darstellen.

Einige Beispiele:

  • Typische Bauweisen: In Deutschland gab es durch die geografischen Gegebenheiten jahrhundertelang viele aus Holz konstruierte Bauten bzw. Fachwerkhäuser.
  • Wohnen im ländlichen Raum (z. B. Zusammenleben von Mensch und Tier unter einem Dach)
  • Wohnen und Arbeiten unter einem Dach (z. B. Verbindung von Koch- und Schlafmöglichkeiten mit Lager, Kontor oder Werkstatt)
  • Miete und Wohnungsnot: Im späten 19. Jahrhundert waren durch die fortschreitende Industrialisierung rund 90 Prozent der großstädtischen Haushalte Mietwohnungen. Viele Arbeiter mit kleinem Einkommen und hohen Mieten lebten in extrem engen und überfüllten Wohnungen.
  • Frühe Formen des Wohnens (Archäologie und Frühgeschichte)
  • Sozialer Wohnungsbau: In den zwanziger Jahren führten Wohnungsnot und elende Lebensbedingungen für ärmere Bevölkerungsschichten zur Entstehung der Idee des „sozialen Wohnungsbaus”. Das menschenwürdige Wohnen für alle wurde zunehmend als staatliche Aufgabe angesehen und Architekten nahmen sich sozialreformerischer Ideen an.
  • Städtebauliche Leitbilder im Wandel der Zeit (z. B. Anlage von Siedlungen am Stadtrand im Zuge der Trennung von Wohnen, Arbeiten, Kultur und Freizeit)
  • Trennung der gesellschaftlichen Schichten (z. B. Untersuchung von Arbeiterquartieren und bürgerlichen Vierteln)
  • Sanitäre Anlagen (z. B. Untersuchung der unterschiedlichen hygienischen Standards in den Wohnungen des 19. Jahrhunderts)