Thema am 13. September 2009: Historische Orte des Genusses

Historische Orte des Genusses
Orte des Genusses, der Freude und der Erholung gibt es überall. Sie sind ebenso vielfältig wie individuell. Für den einen ist es sein Garten oder ein öffentlicher Park, für den anderen ein Konzertsaal, ein Gasthof oder der heimische Platz vorm Kamin. Als historische Bauten entsprechen diese Orte damit einem breiten Spektrum unserer Denkmallandschaft. Das Motto des Tags des offenen Denkmals „Historische Orte des Genusses” geht auf diverse Vorschläge von Veranstaltern der Aktion zurück. Wir haben es gern aufgegriffen, eben weil es die Veranstalter nicht festlegt, sondern ein vielfältiges Thema ist, das die unterschiedlichsten Zugriffe ermöglicht.

Denkmalpflege und Genuss
Eine „Genuss-Denkmalpflege” gibt es selbstverständlich nicht. Denkmalpflege ist oft auch für die auf ihrem Gebiet Tätigen kein Genuss, meist jedoch Passion. Dennoch hat Denkmalpflege, die die mühevolle Arbeit des Wiederherstellens und Erhaltens zum Ziel hat, viel mit Genuss zu tun. Dann nämlich, wenn die Ergebnisse für alle sichtbar werden und jeder sehen kann, dass sich der Einsatz von Geld, Arbeit und Fachwissen gelohnt hat und historische Bauwerke in neuem „alten” Glanz erstrahlen. Wenn Details spannende neue Geschichten erzählen, die zuvor unter Staub und Dreck verborgen waren. Nicht zuletzt: Wie groß ist der Genuss und die Freude am Erreichten von Besitzern historischer Wohnhäuser, die in jahrelanger Arbeit nach und nach zum Beispiel ihr altes Bauernhaus denkmalgerecht saniert haben?

Was könnte am Denkmaltag gezeigt werden?
Hier ein paar Anregungen zum Anklicken:

Gasthäuser und Cafés
Stadt- und Landleben ist geprägt durch Gasthöfe, Dorfkrüge, Hotels, Restaurants und Cafés. Hier kommen Reisende und Einheimische zusammen, um den neuesten Klatsch auszutauschen, gut zu speisen und zu trinken, Freunde zu treffen oder einfach ein Buch zu lesen. In einer Führung können Sie die verschiedenen historischen „Genusshäuser” Ihrer Stadt vorstellen und erläutern, wie sie das Leben und das Stadtbild geprägt haben.

Parks und Gärten
Weitläufige Schlossparks oder Privatgärten können Sie dieses Jahr unter dem Aspekt des Vergnügens vorstellen. Grotten und Labyrinthe von
Renaissancegärten, akkurat geschnittene Lustwäldchen von barocken Gärten, in denen Gelage oder Tänze stattfanden, oder aber die Schrebergärten, wo die gute Nachbarschaft und das im Garten Selbsterzeugte genossen werden - zeigen Sie die Vergnügungsorte im Grünen!

Schlösser und Burgen
Schlösser und Burgen sind seit jeher bekannt für die ausschweifenden Festlichkeiten, die zu jeder sich bietenden Gelegenheit auf und in ihnen begangen wurden. Prachtvolle Bankettsäle zeugen noch heute vom Luxus und Repräsentationsbedürfnis ihrer Erbauer. Malereien mit beispielsweise Musikanten oder Tänzern weisen auf einen „Ort des Genusses” hin. An originalen Schauplätzen können Sie in Führungen die Geschichte wieder aufleben lassen und auf besondere bauliche Details und Materialien verweisen. Etwas ganz Besonderes: Laden Sie die Besucher zu einem Ritterturnier oder einem Festmahl ein!

Jahrmärkte
Jahrmärkte gehören seit dem Mittelalter zu den wichtigsten Ereignissen einer Stadt. Zu den Jahrmärkten gehörte immer auch das Fahrende Volk mit Bärenführern, Gauklern, Wahrsagern, Musikanten und Quacksalbern. Sie zeigten aufregende Kunststücke, Kuriositäten und sogar Theaterstücke. Neben handbetriebenen Karussells gab es Schaubuden und Panoptiken mit optischer Täuschung. Nicht nur für Kinder ist ein Jahrmarkt heute noch ein großer Spaß. Alte Karussells und Panoptiken haben mancherorts eine „feste Bleibe” gefunden oder gehen immer noch mit ihren Besitzern auf große Fahrt. Wissen Sie, wo es derlei historische Schätzchen zu bestaunen gibt? Am Denkmaltag bietet sich die Präsentation dieses Vergnügens für Groß und Klein an.

Kinos
Der Fortschritt der Technik erlaubte im 19. Jahrhundert die „bewegten Bilder”. Gezeigt wurden die frühen Filme oft in Hotels und Gaststätten. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden die Wanderkinos nach und nach von festen Spielstätten abgelöst. Wenn in Ihrer Stadt ein historisches Kino erhalten ist, können Sie den Bau in einer Führung vorstellen oder einen Film aus der Gründungszeit zeigen oder eine Ausstellung mit historischen Projektoren und anderen Gegenständen der Filmgeschichte zeigen.

Theater und Opernhäuser
Ein schwerer Vorhang und eine pompöse Ausstattung: So stellt man sich ein altes
Theater oder ein Opernhaus vor. Doch nur selten ist es für Besucher möglich, einen Blick in die komplizierte Bühnentechnik dieser Häuser zu erhaschen. An manchen Orten haben Laientheater - mit religiösem oder lokalem Bezug - eine lange Tradition. Zeigen Sie die Geschichte von Theater und Oper in Ihrer Stadt oder Gemeinde. Machen Sie die historischen Spielstätten zugänglich. In Führungen oder Ausstellungen können Sie dort die Entwicklung von der römischen Tragödie über mittelalterliche Mysterienspiele bis hin zum Varieté und modernem Theater aufzeigen.

Bibliotheken
Das Wissen und die Unterhaltung sind in einer Bibliothek vereint. Schon in der Antike gab es öffentlich zugängliche Schriftensammlungen. Als kostbare Gegenstände wurden Handschriften im Mittelalter vor allen in Klöstern hergestellt und aufbewahrt. Seit der Erfindung des Buchdrucks wurden immer mehr Bücher verbreitet, so dass die Sammlungen anwuchsen und umfangreiche Bibliotheken auch außerhalb von Klostermauern entstanden. Zeigen Sie die Entstehung der historischen Bibliothek(en) Ihrer Stadt oder veranstalten Sie in historischen Bibliotheken Lesungen zum Thema Genuss.

Backhäuser, Weinkeller und Brauereien
Besonders in dörflichen Gegenden waren gemeinschaftliche Backhäuser bis in die 1960er Jahre verbreitet. An regelmäßig stattfindenden Backtagen wurden hier Brote und Kuchen gebacken. In vielen Orten, vor allem in Süddeutschland, sind noch alte Weinkelter, mittelalterliche Weinkeller oder historische Brauereien erhalten. Eine Reise in die Vergangenheit mit Verköstigung zeitgenössischer oder nach traditionellen Handwerkstechniken hergestellten Köstlichkeiten verbindet Ihren Denkmaltag mit dem Schwerpunktthema „Historische Orte des Genusses”.

Sakralbauten
In historischen Sakralbauten kann man den Genuss auf sehr viele unterschiedliche Weisen erfahren. Die meist sehr kostbare und schöne Ausstattung der Kirchenräume schmeichelt dem Auge des Betrachters. Die Ruhe, die Atmosphäre und die Bilder erlauben es zu meditieren. Ein besonderer Genuss kann auch ein Konzert auf einer historischen Orgel sein. Der Zugang zum Thema „Genuss” am Denkmaltag wird für viele Kirchengemeinden unterschiedlich sein. Er wird abhängen von der Ausstattung und Geschichte des Baus, der Konfession und der heutigen Nutzung des Kirchenraums.

Bäder
In der Römerzeit entwickelte sich die Badekultur zum gesellschaftlichen Mittelpunkt. In luxuriösen Bädern und Thermen wurden Geschäfte abgeschlossen und Kontakte gepflegt. Im Auftrag von Gemeinden wurden im Mittelalter öffentliche Badestuben oder Badehäuser eröffnet, in denen es samt Speisen und Getränken oft lustvoll zuging. Barocke Badkabinette in Schlössern dienten vor allem der Selbstdarstellung des Luxus ihrer Besitzer. Mit der Aufklärung änderte sich die Einstellung zum Baden und klassizistische Kurbäder und Flussbadeschiffe wurden eröffnet. Die uns heute noch bekannten Stadtbäder gibt es seit ungefähr 1900. Widmen Sie sich dem Genuss des Badens und der Körperpflege am Denkmaltag. Zeigen Sie die Entwicklung der Badekultur oder da wo entsprechende alte Einrichtungen erhalten sind - auch beispielsweise die des Friseurhandwerks.

Sportstätten
Auch Sportstätten sind und waren schon immer auch Orte des Genusses und der Freude. Die bieten ihren Nutzern Erholung vom Alltagsstress und manchmal auch euphorisierende Erlebnisse des Erfolgs - gepaart mit bitteren Niederlagen für die Verlierer. Nicht nur die Plätze
wo Sport betrieben wird, haben eine Wandlung erfahren, sondern auch die Sportarten selbst. Präsentieren Sie neben alten Sportanlagen und den Konzepten zu ihrer modernen Nutzung auch Kleidung oder die Sportgeräte von den Anfängen bis heute.