Thema am 11. September 2011:
Romantik, Realismus, Revolution - Das 19. Jahrhundert

Das 19. Jahrhundert

„Romantik, Realismus, Revolution - Das 19. Jahrhundert” heißt das Motto des Tags des offenen Denkmals 2011. Damit widmet sich der Denkmaltag einer der stilistisch vielseitigsten und an technischen Neuerungen reichsten Epochen der Bau- und Kunstgeschichte.

Politisch wie gesellschaftlich war das 19. Jahrhundert von Umbrüchen geprägt: Durch die napoleonischen Kriege und den Rheinbund wurde das Heilige Römische Reich Deutscher Nation handlungsunfähig und erlosch. Napoleons Einfall, die Neuordnung Europas im Wiener Kongress1815 und die Reichsgründung 1871 brachten weit reichende strukturelle Veränderungen mit sich. Infolgedessen wurden auch viele kirchliche Besitztümer, Institutionen und Herrschaftsgebiete aufgelöst oder von weltlichen Herren übernommen. Weiterentwicklungen wie auch Rückgriffe prägten nicht nur das gesellschaftliche und politische Leben des 19. Jahrhunderts, sondern nahmen auch starken Einfluss auf die Architektur und die bildenden Künste dieser Zeit.

Wirtschaftliche Blüte, verbesserte Reisewege und Transportmittel machten das Reisen im 19. Jahrhundert vielen Künstlern und Wissenschaftlern möglich. Ideen und Stile wurden neu miteinander kombiniert und über die Landesgrenzen hinaus ausgetauscht. Die wissenschaftliche Beschäftigung mit der eigenen Geschichte sowie deren romantische Verklärung führten in Architektur und bildender Kunst zu einer Rückbesinnung auf die Formensprache der Vergangenheit: Von der Kunst der Antike bis zum Barock wurden die unterschiedlichen Elemente miteinander verbunden und quasi neue Stile entwickelt. Die Beschäftigung nicht nur mit der klassischen Antike, sondern insbesondere mit den regionalen archäologischen Hinterlassenschaften war gleichzeitig die Geburtsstunde der modernen Archäologie. Erstmals erfolgten planmäßig durchgeführte Ausgrabungen.
Die Industrialisierung und die damit verbundene Landflucht verursachten tiefgreifende Veränderungen in der Baukultur der Städte. Gerade in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts erlebten die Städte einen massiven Umbau, der auf neuen architektonischen Konzepten basierte: Neue Arbeiterquartiere entstanden und mit ihnen Schulen, Krankenhäuser, Kirchen und Volksparks, die noch heute das Bild vieler Städte prägen.

Was könnte am Denkmaltag gezeigt werden?
Im Folgenden einige Beispiele zum Anklicken:

Doch wie immer gilt: Auch wenn Sie sich mit Ihrem Denkmal nicht im diesjährigen Motto wiederfinden - alle sind herzlich eingeladen, sich am Denkmaltag zu beteiligen und ihn mit sehenswerten Objekten und spannenden Veranstaltungen zu bereichern.

Archäologische Stätten
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Archäologie weg vom spektakulären Schatzgräbertum hin zur exakten Wissenschaft. Das allgemeine Interesse an den antiken Kulturen wie den Ägyptern, Griechen und Römern war groß: Sammlungen und Vereine zur Geschichtsforschung entstanden. Organisationen, wie die Reichslimeskommission wurden etabliert und brachten die Erforschung der Römerzeit in Deutschland voran. Parallel dazu rückte die Erforschung der keltischen Kultur in Deutschland in den Vordergrund. Die zahlreichen Bautätigkeiten der Gründerzeit förderten viele archäologische Entdeckungen zutage, die erstmals systematisch untersucht und dokumentiert wurden. Durch verbesserte Grabungstechniken konnten mehr und mehr Erkenntnisse aus den Ausgrabungen gewonnen werden. Auch erste Rekonstruktionen von antiken Bauten wurden angefertigt. Nehmen Sie Ihre Besucher mit auf eine Zeitreise in ein Jahrhundert archäologischer Entdeckungen.


Öffentliche Bauten
Durch die Auflösung des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nationen und die Neuordnung Europas 1815 entstanden gerade im 19. Jahrhundert zahlreiche neue öffentliche Gebäude. Neben verwaltungstechnischen Bauten, wie Rathäusern, Münzen und Zollämtern, wurden soziale Einrichtungen und Bildungsanstalten gebaut, die nach der deutschlandweit eingeführten Schulpflicht nötig wurden. Ferner wurden Museen, Kindergärten, Krankenhäuser, Sanatorien und Pflegeeinrichtungen gegründet. Auch neue Baumaterialien wie Stahl oder Glasbauweise kamen zum Einsatz, und ermöglichten ganz neue Formen beispielsweise bei Gewächshäusern, Aussichtstürmen oder Museumsbauten. Zeigen Sie den Besuchern die öffentlichen Bauten in Ihrer Umgebung.


Industriebauten und Siedlungen
Im Zuge der Industrialisierung und dem damit verbundenen raschen Anwachsen der Stadtbevölkerung oder ganzer Industrieräume (Ruhrgebiet) wurden neue Siedlungen und Wohnquartiere nötig. Die Ballung der ärmeren Schichten in den Großstädten führte zu Slumbildungen und schlechten Wohnsituationen. Um dieser Negativentwicklung im innerstädtischen Raum entgegenzuwirken und den Ballungsraum zu entzerren, wurden zahlreiche Arbeitersiedlungen und Werkskolonien in Fabriknähe gegründet. Zudem wurde die Vernetzung der Städte untereinander weiter ausgebaut, wodurch aus kleineren Siedlungen schnell Trabantenstädte oder Vororte entstanden. Als Folge der expandierenden Städte formte sich Ende des 19. Jahrhunderts die Gartenstadtbewegung. In einer Führung können Sie den strukturellen Wandel, den das 19. Jahrhundert in Ihrer Stadt um Umgebung mit sich brachte, aufdecken.


Sakralbauten und Friedhöfe
In der Struktur der kirchlichen Besitztümer, Institutionen und Herrschaftsgebiete traten durch die Säkularisierung große Veränderungen ein: Klosteranlagen wurden aufgelöst, Gebiete von weltlichen Obrigkeiten übernommen, kirchliches Inventar neu verteilt und klerikale Gegenstände verkauft - Kirchenfenster gelangten so bis nach Großbritannien. Durch den rasanten Bevölkerungszuwachs vor allem in den Städten wurde im 19. Jahrhundert jedoch auch eine Vielzahl von Kirchen neu erbaut. In den vielen Kirchenrestaurierungen dieser Zeit kann man den Beginn der modernen fachlichen Denkmalpflege erkennen. Die Stile der Zeit, Klassizismus, Romantik, Historismus bis hin zu den Anfängen der Moderne und des Jugendstils lassen sich jedoch nicht nur an den Sakralbauten, sondern auch an Grabsteinen und in der Anlage der Friedhöfe erläutern.


Burgen, Schlösser und Ruinen
Nach den napoleonischen Kriegen wurden viele militärische Festungsanlagen abgetragen oder zerstört. Die Schleifungen veralteter Festungsanlagen boten neuen Raum für die immer stärker wachsenden Städte. Der anfallende Abraum aus Klinker- oder Natursteinen diente für die neue Bebauung. Viele der Festungsanlagen wurden zu Parks umgestaltet, wobei manche Bauteile stehengelassen wurden. Mancherorts entstanden künstliche Ruinen, ganz im Sinne des romantischen Denkens. Viele Burgen und Schlösser wurden im 19. Jahrhundert weitreichend umgestaltet und erweitert. Decken Sie beispielsweise in einer Ausstellung die Geschichte dieser Anlagen auf.


Garten- und Parkanlagen
Eine starke Umstrukturierung in den Gärten und Parks begann bereits Mitte des 18. Jahrhunderts mit der Umgestaltung barocker Gartenanlagen in englische Landschaftsparks. Im Folgenden wurde diese Idee der „geöffneten” Parks weitergeführt und auch im innerstädtischen Bereich umgesetzt. So entstanden Volksparks, Stadtgärten und Kurgärten. Eine solche Neuanlage von Stadt- oder Volksgärten geschah meist in Gebieten, wo die Bodenwerte niedrig waren, beispielsweise wegen Überschwemmungsgefahr, aber auch in großen Ballungsräumen, wo die Bevölkerung Natur und Erholung forderte. Führen Sie die Besucher durch die Geschichte der Gartenanlagen.


„Politische” Denkmale
Gerade durch die starken Umbrüche in der politischen Welt dieser Zeit errichtete man allerorts „Helden”-Denkmale: Zahlreiche Bismarckdenkmale, -säulen und Ehrenmonumente wurden gebaut, ebenso wie Ehrenmale für Revolutionshelden, Befreiungskämpfer oder andere politische Personen. Auch an geschichtliche oder mythologische Helden wurde gedacht, wie beispielsweise an „Hermann den Cherusker” oder den Drachentöter Siegfried.


Technische Neuerungen
Nicht nur die Geburtsstunde der Eisenbahn liegt in diesem Jahrhundert, auch durch andere Erfindungen dieser Epoche rückte die Welt näher zusammen: So wurden die ersten elektrischen Telegraphen Anfang des 19. Jahrhunderts entwickelt und bereits 1866 das erste Transatlantikkabel verlegt, wobei hier bereits die Neuerung von Samuel Morse mit dem Schreibtelegrafen und Morsealphabet zur Anwendung kam. Um 1850 hatte sich Morses Technik bereits auf den deutschen Telegraphenlinien, die sich in wenigen Jahren zu einem zusammenhängenden Netz geschlossen hatten, durchgesetzt. In der Folge dieser Erfindungen steht auch die Entwicklung des ersten Telefons 1863. Um 1866 fand Werner von Siemens das dynamische Prinzip und entwickelte den ersten elektrischen Generator. Aus diesen Kleingeneratoren wurden schnell Großmaschinen und Dampf- oder Wasserkraftwerke, um den Strombedarf der immer größer werdenden Stromnetze zu befriedigen. So beleuchtete man bald mit Bogen- und Glühlampen die ersten Straßen, Plätze und Privathäuser. Auch die erste Fotografie wurde Anfang dieses Jahrhunderts entwickelt und fand bereits 1883 Anwendung als gerastertes Foto in einer deutschen Zeitung. Gerade im Bereich der Technik lassen sich einige Ausstellungen oder Führungen konzipieren.


Herrenhäuser und Gutshöfe
Die Landflucht der ärmeren Bevölkerungsschichten und der rasant wachsende Bedarf an innerstädtischem Wohnraum für die Arbeiterfamilien hatte als Gegenbewegung eine Stadtflucht der Oberschicht zur Folge: Nicht nur in der Freizeit wanderten die Wohlhabenden aufs Land und in die Natur, sondern es wurden Wohnsitze in die Natur verlegt und Herrenhäuser oder größere Gutsanlagen gebaut. Zudem wurden die bestehenden Gutshöfe und Herrenhäuser ausgebaut und vergrößert, denn die Großgrundbesitzer waren ebenfalls Profiteure der neuen technischen Möglichkeiten in der Landwirtschaft. Die seit dem Mittelalter herrschende Grundherrschaft wurde erst nach der Revolution von 1848 zu Gunsten der Bauern reformiert und umstrukturiert.


Kurbäder und Freizeitanlagen
Anfang und Mitte des 19. Jahrhunderts wurden zahlreiche Kuranlagen und Seebäder gegründet oder ausgebaut. Auch mit dem Anschluss an die Eisenbahnlinien ab Mitte des 19. Jahrhunderts erfreuten sich die Bäder immer größerer Beliebtheit. Der steigende Bedarf der Großstadtbevölkerung nach Natur und Erholung ließ den Tourismus wachsen und durch die nun verkürzten und schnellen Wege rückten weitere Freizeitziele näher. Aussichtstürme und -terrassen wurden neu gebaut, Parks für Picknicks und Lustwandeln in der Natur angelegt. Denn auch der klassische Picknickkorb, der neben Essen auch eine Decke, Geschirr und Besteck enthält, kam im 19. Jahrhundert auf. Führen Sie die Besucher zu den Freizeitzielen des 19. Jahrhunderts oder initiieren Sie ein klassisches Picknick mit Tee und Speisen.