Zu Gast in der Lutherstadt Wittenberg

Bezugnehmend auf das Motto „Sein & Schein – in Geschichte, Architektur und Denkmalpflege“ legt die Lutherstadt Wittenberg den Fokus auf das Sein: Mit vorbildlicher denkmalpflegerischer Arbeit seit über 30 Jahren stehen die Altstadt und die umliegenden Denkmale für den Erhalt und das originale, historische Zeugnis in der Denkmalpflege.

Doch auch hier ist nicht alles, wie es auf den ersten Blick scheint!

Sein & Schein in Wittenberg

Hinter den Fassaden befinden sich immer wieder Überraschungen, die der äußere Schein nicht vermuten lässt. Während sich im Schloss neben Büroräumen auch eine Forschungsbibliothek verbirgt, umfasst das modern anmutende Stadthaus historische Bausubstanz.

Der Schein trügt gleich doppelt bei der Schlosskirche, im neogotischen Stil versetzt sie den Betrachter in eine längst vergangene Zeit. Denn die Schlosskirche, an der Luther die 95 Thesen angeschlagen haben soll, fiel 1760 einem Brand zum Opfer und wurde 1885-1892 wieder neu errichtet, in einem längst vergangenen Baustil. In ihr befindet sich eine ganz besondere Augentäuschung: eine illusionistische Wandmalerei, die einen täuschend echten Vorhang zeigt.

Ein Meister des Scheins, der Meister der Renaissance Lucas Cranach, hinterließ in einem seiner Wohnhäuser am Markt eine repräsentative Bemalung der Decke, die die Illusion einer grandiosen Kassettendecke erweckte. Seine Werke sind eine reiche Quelle von perfekten malerischen Illusionen, ob in der Architektur oder in der Materialität von Stoffen und Oberflächen.

Das Lutherhaus ist ein Beispiel des Wandels der Denkmalpflege: Das von Friedrich August Stüler 1844 im Stil des Historismus erweiterte Gebäude – der damaligen Meinung nach der Bedeutung des Ortes adäquat, galt 1902 Cornelis Gurlitt als „Schlößchen mit allerhand romantischem Firlefanz“ und erlebte im 20. Jahrhundert erneut einen Wandel. So hinterließ jede Epoche ihr Bild von Luthers Wirkungsstätte.

Cranachhof Markt 4 in Wittenberg © Roland Rossner
Lucas Cranach war ein Meister des Scheins: illusionistische Deckenmalerei im Cranach-Hof
Die Lutherstube © Roland Rossner
Denkmal im Wandel: Ein Blick ins Lutherhaus ist zugleich eine Reise durch die Epochen

Blick hinter die Fassade: bei der bundesweiten Eröffnung des Tags des offenen Denkmals

Anlässlich der bundesweiten Eröffnung des Tags des offenen Denkmals am 12. September 2021 schauen wir in Wittenberg genauer hin und werfen einen Blick hinter die Fassaden: Was ist echt, was rekonstruiert, was Illusion? 

Was ist die bundesweite Eröffnung?

Die bundesweite Eröffnung ist die offizielle Eröffnungsfeier vom Tag des offenen Denkmals. Gemeinsam mit der Deutschen Stiftung Denkmalschutz eröffnet die Gastgeberstadt feierlich alle deutschlandweiten Aktionen. Veranstaltungsort ist dabei immer eine Stadt mit historischem Wert. Ausschlaggebend in dem Bewerbungsprozess ist für die Deutsche Stiftung Denkmalschutz ein vorbildhafter Umgang mit der städtischen Denkmalsubstanz. In diesem Jahr eröffnet am 12. September 2021 die Lutherstadt Wittenberg den Tag des offenen Denkmals.

3 Gründe für Wittenberg

„Wo Häuser verkommen, verkommen auch Menschen“ – dieser Satz prangte 1989 auf einem Transparent bei Protesten gegen den Verfall der Wittenberger Cranach-Höfe. 30 Jahre später zeigt sich, wie viele Gebäude im Stadtbild gerettet werden konnten. 

Wittenberg schreibt Denkmalpflege groß

„Es ist beeindruckend, wie das Wittenberger Schloss in seiner Bausubstanz erhalten wird und gleichzeitig durch Umnutzungen eine neue nachhaltige Funktion erhält. Das Gebäude darf so neue Geschichte schreiben“, erklärt Dr. Steffen Skudelny, Vorstand der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, den denkmalpflegerischen Ansatz Wittenbergs.

Wittenberg repräsentiert das Motto

Mit dem Motto „Chance Denkmal: Erinnern. Erhalten. Neu denken.“ gehen wir in diesem Jahr der Frage nach, wie nachhaltig die Denkmalpflege ist. Wittenberg bietet viele Anknüpfungspunkte: Darunter fallen großartige Restaurierungen, energetischen Sanierungen oder neue Nutzungskonzepte für historische Gebäude. Denkmale werden in Wittenberg als Chance betrachtet, wie die Stadterneuerung der letzten 30 Jahre zeigt.   

 Wittenbergs reiche Denkmallandschaft öffnet

Besucher in und um Wittenberg dürfen sich auf ein abwechslungsreiches Programm freuen. Dank starker Partnerschaften der Stadt und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz werden auch sonst nicht zugängliche Orte am Tag des offenen Denkmals zugänglich sein. Exklusive Führungen und das Benefitskonzert aus der beliebten Reihe Grundton D des Deutschlandfunks erweitern das Programm zur bundesweiten Eröffnung.